OER des Monats April 2026: Das Teilen von Systemprompts als Beispiel für eine Kultur des Teilens

Im aktuellen OER des Monats stellen wir kein klassisches Lernmaterial vor, sondern ein Beispiel dafür, wie offene Praktiken des Teilens im Kontext von KI aussehen können. Im Anschluss an unseren vergangenen TOBIS-Netzwerkworkshop greifen wir die Frage auf, wie Lehrkräfte KI nicht nur nutzen, sondern selbst gestalten, weiterentwickeln und ihre Erfahrungen mit anderen teilen können.

Im Mittelpunkt stehen ein Systemprompt für einen Politik-Wirtschaft-Tutor sowie ein begleitendes Interview mit der Lehrkraft Ruven von der Höh, die den Prompt entwickelt und im Unterricht eingesetzt hat. Die Materialien geben Einblicke in die Entstehung, Erprobung und Weitergabe eines KI-gestützten Lernbegleiters und zeigen, wie aus individuellen Erfahrungen teilbare und weiterentwickelbare Praxis entstehen kann.  

Worum geht es genau und was ist ein Systemprompt?

Ein Systemprompt beschreibt, welche Rolle ein KI-System übernehmen soll, wie es kommuniziert und welche Aufgaben es erfüllen soll. Er bildet gewissermaßen die Grundlage dafür, wie ein KI-Assistent arbeitet. Im vorliegenden Beispiel übernimmt der Assistent die Rolle eines didaktischen Tutors, der Schülerinnen und Schüler beim Aufbau von Argumentationen und der politischen Urteilsbildung unterstützt. Statt fertige Lösungen bereitzustellen, soll er gezielt Denkprozesse anregen: durch Fragen, Strukturhilfen und kleine Lernimpulse.

Ein Blick in den Systemprompt zeigt, wie konkret solche Anweisungen aussehen können. So wird beispielsweise festgelegt, dass keine vollständigen Lösungen ausgegeben werden dürfen und stattdessen Fragen gestellt werden wie: „Was ist deine Behauptung?“, „Welche Kriterien wären für diese Fragestellung besonders wichtig?“ oder „Möchtest du noch einen kleinen Hinweis oder willst du es selbst probieren?“. Ziel ist es, Lernprozesse zu begleiten und eigenständiges Denken zu fördern statt Ergebnisse einfach zu liefern.

Besonders interessant ist dabei nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Entwicklungsprozess. Im Interview wird deutlich, dass der Assistent nicht auf Anhieb entstand, sondern durch wiederholtes Ausprobieren, Testen und Nachschärfen entwickelt wurde. Ruven von der Höh beschreibt dies selbst als einen Prozess von „Trial and Error“ und hebt hervor: „Was am meisten ankommt, ist der Kontext und die Genauigkeit. Also so genau wie möglich zu beschreiben: Was möchte man genau haben und worauf soll sich der Assistent beziehen?“

Gleichzeitig zeigt das Beispiel bereits Elemente einer Kultur des Teilens. Der entwickelte Prompt blieb nicht auf den eigenen Unterricht beschränkt, sondern wurde von Kolleg:innen aufgegriffen und weiterentwickelt. So berichtet Ruven von der Höh: „Da haben dann auch andere Kolleg:innen darauf zurückgegriffen, also ich habe ihn an meine Kolleg:innen weitergegeben.“

Warum ist das relevant für Schulträger?

Für Schulträger bietet das Beispiel einen Einblick darin, wie Lehrkräfte KI-Systeme bereits heute konkret in ihrem Arbeitsalltag einsetzen und an pädagogische Anforderungen anpassen. Es macht sichtbar, dass KI-Nutzung nicht allein bedeutet, bestehende Werkzeuge zu verwenden, sondern zunehmend auch eigene Lösungen zu entwickeln und weiterzugeben.

Gleichzeitig sensibilisiert das Beispiel für eine Perspektive, die über einzelne KI-Tools hinausgeht: Praktiken des Teilens. Wenn Lehrkräfte Prompts, Erfahrungen oder erprobte Vorgehensweisen offen weitergeben, entstehen Formen von Open Educational Practices (OEP). Aus einzelnen Lösungen können so gemeinsame Wissensbestände werden, die weiterentwickelt und an unterschiedliche Kontexte angepasst werden können. Gerade für Schulträger und Medienzentren eröffnet dies die Möglichkeit, Austausch- und Unterstützungsstrukturen gezielt zu fördern und digitale Schulentwicklung nachhaltig zu gestalten.

Lizenz & Nutzung: Der Systemprompt steht unter der offenen Lizenz CC BY 4.0 und kann frei genutzt, geteilt und angepasst werden.

Autor: Ruven von der Höh

Hier geht es zum Systemprompt

Hier geht es zum Interview: Ruven von der Höh und Steffi Brunner sprechen über die Entwicklung und Nutzung eines Systemprompts