Beim Pre-Camp der Programmkonferenz OER im Blick hat Franco Rau zwei Impulse aus dem TOBIS-Projekt eingebracht, die aktuelle Herausforderungen digitaler Schulentwicklung aus Perspektive von Schulträgern und Bildungsnetzwerken thematisierten. Im Mittelpunkt standen Fragen der transprofessionellen Zusammenarbeit, der Bedeutung von OER/OEP sowie der Umgang mit aktuellen Digitalisierungsthemen wie Künstlicher Intelligenz.


Der erste Impuls mit dem Titel „Wir nennen es aber nicht OER“: Herausforderungen zwischen pädagogischer Praxis und Organisation griff Erfahrungen aus der Projektarbeit mit Schulträgern, Schulen und Medienzentren auf.
Diskutiert wurde, wie sich bereits bestehende Praktiken des Teilens und Zusammenarbeitens sichtbar machen lassen, ohne dass Begrifflichkeiten wie „OER“ selbst zur Hürde werden. Deutlich wurde dabei, dass viele Formen offener Zusammenarbeit in Schulen und Jahrgangsteams bereits gelebt werden, jedoch unterschiedlich bezeichnet, gerahmt und verstanden werden. In der Diskussion wurde insbesondere sichtbar, dass das Thema OER je nach Ebene sehr unterschiedlich wahrgenommen wird – etwa auf Ebene der Einzelschule, der Schulträger oder der Länder. Dabei stand die Frage im Raum, ob Schulträger OER tatsächlich „brauchen“ oder ob die Verwendung des Begriffs OER vielmehr neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Schulen, Verwaltung und Unterstützungssystemen sichtbar macht. Zudem wurde diskutiert, dass Perspektiven auf Medienentwicklungsplanung und digitale Schulentwicklung häufig heterogen ausfallen und unterschiedliche Kommunikations- und Organisationslogiken aufeinandertreffen. Als mögliche Lösungsansätze wurden unter anderem stärker handlungsorientierte Zugänge, gemeinsame Kommunikationsstrukturen sowie niedrigschwellige Austauschformate wie Newsletter oder Runde Tische benannt. Ebenfalls diskutiert wurde die Idee eines „Wörterbuchs“ für zentrale Begriffe digitaler Schulentwicklung, um Übersetzungsleistungen zwischen unterschiedlichen Professionen und Systemebenen zu unterstützen. Darüber hinaus wurde betont, wie wichtig das Teilen guter Beispiele und ein stärkeres Verständnis unterschiedlicher Perspektiven für transprofessionelle Zusammenarbeit sind.
Im zweiten Impuls „Zwischen Prompt und OER: Herausforderungen, wenn OER kein zentrales Digitalisierungsthema ist“ wurde diskutiert, wie sich mit Schulträgern über OER ins Gespräch kommen lässt, wenn aktuell vor allem KI-Themen Aufmerksamkeit binden.
Ausgehend von Erfahrungen aus Netzwerkworkshops und Research-Practice-Partnerships wurde deutlich, dass KI häufig als zentrales Zukunftsthema wahrgenommen wird, während das Thema OER eher nachrangig erscheint. Die Diskussion griff verschiedene Spannungsfelder auf: KI wurde als Innovationstreiber und „Disruption“ beschrieben, das große Aufmerksamkeit und Ressourcen bindet. Gleichzeitig wurde deutlich, dass heterogene Voraussetzungen von Schulen und Schulträgern häufig eher als Herausforderung denn als Chance wahrgenommen werden.
Weitere Diskussionspunkte bezogen sich auf die Frage der jeweiligen Zuständigkeiten von Land, Schulträgern und weiteren Akteur:innen sowie auf die Frage, wie digitale Bildung im Kontext einer zunehmend KI-geprägten Bildungslandschaft gestaltet werden kann. Als mögliche Zugänge wurden vorgeschlagen, stärker an konkreten Bewegungen und Problemlagen der Praxis anzuknüpfen und „Schnittstellen“ zwischen KI- und OER-Themen sichtbar zu machen. Zudem wurde diskutiert, wie sich Heterogenität produktiv nutzen lässt und wie OER stärker als Teil übergreifender Fragen digitaler Bildung verstanden werden kann – statt als isoliertes Einzelthema.
Bewusstmachung von Herausforderungen und Gestaltung von Lösungsansätzen:


Die Diskussionen im Pre-Camp machten erneut sichtbar, wie wichtig gemeinsame Verständigungs- und Übersetzungsprozesse zwischen unterschiedlichen Akteur:innen im Bildungssystem sind.
Genau an diesen Schnittstellen setzt das TOBIS-Projekt sowie die gesamte Förderline OE-Struktur an, um transprofessionelle Zusammenarbeit und nachhaltige digitale Schulentwicklung gemeinsam mit Schulträgern weiterzuentwickeln.


