Wie können offene Bildungsmaterialien (OER) und offene Bildungspraktiken (OEP) dazu beitragen, Lehren unter den Bedingungen der Digitalisierung neu zu denken? Mit dieser Frage war ich für das TOBIS-Projekt beim Frühlingsforum 2026 des Medienpädagogischen Zentrums Bautzen zu Gast. Im Mittelpunkt standen nicht nur offene Materialien, sondern vor allem die Formen von Zusammenarbeit und Unterrichtsentwicklung, die durch Offenheit ermöglicht werden können.
In meinem Impuls „Lehren neu denken – Wie offene Materialien und Praktiken zur Unterrichtsentwicklung beitragen können“ ging es zunächst um die veränderten Bedingungen, unter denen Lehrkräfte heute arbeiten. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffnen neue Möglichkeiten, treffen aber zugleich auf neue Anforderungen und bestehende Herausforderungen im Schulalltag. Statt allein nach immer neuen technischen Werkzeugen zu fragen, habe ich OER und OEP als Ausgangspunkte für Unterrichtsentwicklung in den Blick genommen: Offene Materialien können kurzfristig entlasten, Lerngelegenheiten für die eigene Professionalisierung eröffnen und langfristig als Bausteine neuer Formen des Lehrens und Lernens dienen. Offene Bildungspraktiken erweitern diese Perspektive um das gemeinsame Entwickeln, Teilen und Verbessern von Materialien.
In den anschließenden Workshop-Snacks wurde diese Perspektive mit aktuellen Entwicklungen rund um generative KI verbunden. Zugespitzt stand dabei die Frage im Raum: Brauchen wir OER überhaupt noch, wenn KI Materialien innerhalb weniger Sekunden generieren kann? Meine These war, dass OER dadurch keineswegs überflüssig werden. Im Gegenteil: Angesichts schnell generierter Inhalte gewinnen nachvollziehbare Qualitätskriterien, gemeinsame Referenzpunkte sowie Praktiken des Teilens und Weiterentwickelns an Bedeutung. KI kann diese Prozesse unterstützen, etwa wenn offene Materialien differenziert, erweitert oder für unterschiedliche Lernvoraussetzungen angepasst werden. Weitere Workshop-Snacks beschäftigten sich mit KI-Detektoren und KI-gestützten Feedbacksystemen. Auch hier stand eine kritisch-konstruktive Perspektive im Vordergrund: Welche Versprechen technischer Systeme sind empirisch abgesichert? Was bedeutet ihre Einführung für Prüfungskultur, Vertrauen und pädagogische Urteilskraft? Und wäre es nicht sinnvoller, KI als Unterstützung für formative Rückmeldungen zu nutzen, anstatt Kontrolle und Bewertung technisch auszulagern?
Das Frühlingsforum war kein einmaliger Kontakt, sondern knüpfte an die Zusammenarbeit mit Antje Schröder und dem Medienpädagogischen Zentrum Bautzen an. Im gemeinsamen Austausch beschäftigen uns schon länger Fragen rund um OER, OEP und digitale Schulentwicklung. Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, diese Überlegungen einem größeren Kreis zugänglich zu machen und mit Erfahrungen und Fragen aus der Praxis weiterzuentwickeln. Für das TOBIS-Projekt ist diese Zusammenarbeit auch deshalb relevant, weil Medienzentren sich an einer wichtigen Schnittstelle zwischen Schulen, Schulträgern, technischer Infrastruktur, pädagogischer Beratung und Professionalisierung bewegen. An solchen Schnittstellen wird sichtbar, dass digitale Schulentwicklung nicht allein durch neue Technologien entsteht. Sie braucht Räume, in denen unterschiedliche professionelle Perspektiven zusammenkommen und gemeinsam an Entwicklungsfragen gearbeitet werden kann.
Vielen Dank an Antje Schröder und das Team des Medienpädagogischen Zentrums Bautzen für die Einladung, die gemeinsame Vorbereitung und den offenen Austausch. Die beim Frühlingsforum aufgegriffenen Fragen bilden zugleich Anknüpfungspunkte für die weitere Zusammenarbeit: Wie lassen sich OER, OEP und KI-bezogene Entwicklungen so zusammendenken, dass daraus tragfähige Impulse für Unterricht, Beratung und digitale Schulentwicklung entstehen?

