​Impulse für die Schulentwicklung mit KI: Zweiter TOBIS-Netzwerkworkshop

Am 4. März 2026 fand der zweite Online-Netzwerkworkshop des TOBIS-Verbundprojekts statt. Über 55 Teilnehmende aus Schulträgern, Verwaltung, Schule und Beratung setzten den gemeinsamen Austausch zur digitalen Schulentwicklung fort – diesmal mit einem klaren Fokus auf Künstliche Intelligenz (KI) als Gegenstand und Treiber schulischer Entwicklungsprozesse. Die Veranstaltung knüpfte an den Auftaktworkshop an und griff zentrale Fragestellungen aus dem Netzwerk auf: Welche Rolle spielt KI im Zusammenspiel mit digitalen Lehr-Lernsettings, offenen Bildungsressourcen (OER) und Open Educational Practices (OEP)? Und welche pädagogischen, organisatorischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen sind für einen reflektierten Einsatz erforderlich?

Drei thematische Schwerpunkte und ein gemeinsamer Rahmen

Der Workshop war als modularer Online-Tag konzipiert und kombinierte einen einführenden Impuls mit drei vertiefenden Sessions. Die Teilnehmenden konnten flexibel einzelne Slots besuchen oder auch den gesamten Tag.

Im einleitenden Vortrag wurde deutlich: KI ist weniger als isolierte Technologie zu verstehen, sondern vielmehr als Anlass, bestehende Praktiken von Unterricht und Schulorganisation grundlegend zu reflektieren. Diskutiert wurden unterschiedliche Perspektiven auf KI – etwa als Werkzeug, Assistenz oder potenzielle Herausforderung – sowie die Frage, wie sich Schulen im Kontext eines umfassenderen digitalen Wandels positionieren. In den anschließenden Workshops wurden drei zentrale Handlungsfelder vertieft:

  • Prüfen und Bewerten mit KI: Hier stand die Frage im Mittelpunkt, inwiefern KI-Detektoren und automatisierte Bewertungssysteme verlässliche Unterstützung bieten können. Deutlich wurde, dass viele der aktuell verfügbaren sogenannten „Tools“ weder technisch noch rechtlich belastbare Aussagen ermöglichen. Insbesondere die Gefahr von Fehlbewertungen, mangelnde Transparenz sowie datenschutzrechtliche Fragen wurden kritisch diskutiert. Gleichzeitig zeigte sich, dass KI punktuell als unterstützende „Zweitperspektive“ genutzt werden kann – etwa zur Strukturierung von Feedbackprozessen –, die pädagogische Verantwortung jedoch klar bei den Lehrkräften verbleibt.
  • Lernen mit und über KI: Der zweite Workshop richtete den Blick auf didaktische Einsatzmöglichkeiten. Gemeinsam wurden unterschiedliche Nutzungsszenarien gesammelt und systematisiert – von KI als Lernunterstützung über Differenzierung bis hin zu organisatorischen Entlastungsfunktionen. Deutlich wurde, dass der Mehrwert von KI stark von der didaktischen Rahmung abhängt. Zugleich wurde die Bedeutung von Qualifizierung, kollegialem Austausch und offenen Materialien (OER) betont, um Erfahrungen nachhaltig zu sichern und weiterzugeben.
  • Datenschutzkonforme KI in der Praxis: Im dritten Workshop erhielten die Teilnehmenden Einblicke in eine konkrete Plattformlösung für den datenschutzkonformen KI-Einsatz in Schule. Anhand praxisnaher Beispiele wurde gezeigt, wie KI etwa für Unterrichtsszenarien, Feedbackprozesse oder die Analyse von Lernständen genutzt werden kann. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass solche Systeme unterstützend wirken können, jedoch keine pädagogischen Entscheidungen ersetzen. Fragen der Verantwortung, des Datenschutzes und zukünftiger regulatorischer Entwicklungen (z. B. im Kontext des EU AI Act) bildeten einen weiteren Schwerpunkt.

Gemeinsame Erkenntnisse und Perspektiven

Übergreifend zeigte sich: Der Einsatz von KI in Schule ist nicht primär eine technische, sondern eine pädagogische und organisationale Gestaltungsaufgabe. Erfolgreiche Schulentwicklung erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Professionen sowie eine gemeinsame Verständigung über Ziele, Einsatzszenarien und Grenzen von KI. Zugleich wurde deutlich, dass bereits zahlreiche Materialien und Unterstützungsangebote existieren – von offenen Lernplattformen über Reflexionstools bis hin zu OER-Materialien. Entscheidend ist jedoch, diese Angebote kontextsensibel zu nutzen, kritisch zu reflektieren und in bestehende Schulentwicklungsprozesse einzubetten.

Wir danken allen Teilnehmenden für den engagierten Austausch und die vielfältigen Impulse!

Ausblick und Save the Date: 8. Juni 2026 

Die Ergebnisse des Workshops werden derzeit im Projekt weiter aufbereitet und fließen in die weitere Netzwerkarbeit ein. Ziel bleibt es, gemeinsam mit den beteiligten Schulträgern tragfähige Ansätze für eine reflektierte und nachhaltige Auseinandersetzung mit KI im Kontext offener Bildungsmaterialien und -praktiken in Schule zu entwickeln. Eine ausführliche Dokumentation mit Session-Berichten und Materialien steht im internen Bereich zur Verfügung.

Am 8. Juni 2026 (9:00–16:30 Uhr) findet der nächste TOBIS-Netzwerkworkshop online statt. Im Fokus steht das Thema „Datenschutz und digitale Schulentwicklung: Motor und/oder Hemmnis?“. Diskutiert wird, wie Datenschutz auf unterschiedlichen Ebenen – von Unterricht über Organisation bis hin zu Infrastruktur – wirksam wird und wie Schulträger sowie Schulen damit gestaltend umgehen können. Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung folgen in Kürze.