Wer gestaltet digitale Schulentwicklung? Einblicke vom 3. SysB-Day in Nürnberg

Digitale Schulentwicklung entsteht im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteur:innen und professioneller Perspektiven. Einen konkreten Einblick in dieses Zusammenspiel bot der 3. SysB-Day des Teams Digitale Schule der Stadt Nürnberg am 15. Juli 2026. Im Rahmen des TOBIS-Projekts war ich eingeladen, mit einem Impuls zu der Frage beizutragen: Wer gestaltet digitale Schulentwicklung?

Das Team Digitale Schule betreut mehr als 50.000 digitale Endgeräte an 141 Schulen und über 100 Standorten. Zu seinen Aufgaben gehören neben der digitalen Ausstattung und Gebäudevernetzung auch die Wartung und Weiterentwicklung der Technik sowie die pädagogische Fortbildung von Lehrkräften. Diese Größenordnung lässt erahnen, welche technischen, personellen und organisationalen Anforderungen mit der Digitalisierung eines kommunalen Schulsystems verbunden sind. Beim 3. SysB-Day standen die Menschen hinter dieser Infrastruktur im Mittelpunkt. Das Programm verband Learning Snacks und Werkstattformate zu Themen wie Gerätemanagement, Automatisierung, Datenschutz und Anwendungen generativer Künstlicher Intelligenz in Unterricht und Administration. Dabei ging es nicht allein um einzelne sogenannte „Tools“. Wiederkehrend stellte sich die Frage, wie technische Infrastruktur, verlässlicher Support und pädagogische Anforderungen aufeinander bezogen werden können. Sichtbar wurde diese Verbindung beispielsweise im Beitrag von Julia Thurner.

In meinem Impuls „Wer gestaltet digitale Schulentwicklung? Herausforderungen und Perspektiven“ habe ich diese Frage aus einer schulentwicklungsbezogenen Perspektive aufgegriffen. Entscheidungen über Softwarelizenzen, mobile Endgeräte oder Systeme für das Gerätemanagement sind zunächst technische Entscheidungen. Zugleich beeinflussen sie, welche Formen des Lehrens, Lernens und Zusammenarbeitens im Schulalltag möglich werden. An solchen Entscheidungen sind häufig mehrere Akteur:innen beteiligt: Lehrkräfte und Schulleitungen, Schulverwaltung und IT, Datenschutzbeauftragte, medienpädagogische Beratung sowie externe Dienstleister. Digitale Schulentwicklung erfordert deshalb nicht nur technische Expertise. Sie verlangt auch Abstimmung und Übersetzung zwischen unterschiedlichen Zuständigkeiten, Wissensbeständen und Anforderungen. Für Schulträger bedeutet dies zunehmen, dass ihre Rolle über Beschaffung und Betrieb hinausgeht. Sie gestalten damit Rahmenbedingungen schulischer Arbeit und übernehmen wichtige Schnittstellenfunktionen zwischen Schulen, Verwaltung, Technik und weiteren Unterstützungssystemen.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Frage, wie generative KI und Sprachmodelle die digitale Schulentwicklung verändern. In Erinnerung geblieben ist mir dazu das Werbematerial eines EdTech-Start-ups mit dem Satz: „Der Rest ist Hausaufgabe.“ Die Hausaufgabe, die ich aus Nürnberg mitgenommen habe, lautet: Erleben wir beim Einsatz von Sprachmodellen in Schule und Unterricht derzeit einen „Dokumentenkamera-Effekt“? In Anlehnung an einen Gedanken von Petra Grell bezeichnet diese Frage die Möglichkeit, dass eine neue Technik zwar in den Unterricht einzieht, die etablierten pädagogischen Routinen jedoch weitgehend unverändert bleiben. KI-Assistenten und Aufgabengeneratoren können vorhandene Tätigkeiten beschleunigen oder vereinfachen. Ob damit zugleich neue Formen des Lehrens und Lernens entstehen, ist jedoch nicht selbstverständlich. Sprachmodelle sind zudem keine neutralen Werkzeuge. Fragen des Datenschutzes, der inhaltlichen Verlässlichkeit, wirtschaftlicher Interessen und technischer Abhängigkeiten müssen ebenso berücksichtigt werden wie ihre pädagogischen Potenziale.

Für die Arbeit im TOBIS-Projekt bietet der SysB-Day zahlreiche Anknüpfungspunkte. Research-Practice-Partnerships (RPPs) leben davon, dass der Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft nicht punktuell bleibt, sondern konkrete Entwicklungsfragen über einen längeren Zeitraum gemeinsam reflektiert und weiterbearbeitet werden. Ich freue mich daher darauf, die Zusammenarbeit mit den Akteur:innen der Stadt Nürnberg fortzusetzen. Eine nächste Gelegenheit bietet sich bereits im November, wenn wir den Austausch mit dem Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN) wieder aufnehmen. Für mich hat der SysB-Day hat anschaulich gemacht, dass digitale Schulentwicklung weder von einzelnen Personen noch innerhalb einzelner Zuständigkeitsbereiche gestaltet werden kann. Sie benötigt Räume, in denen technische, pädagogische, rechtliche und organisationale Perspektiven miteinander ins Gespräch kommen. Vielen Dank an Frank Wüst für die Einladung, an das gesamte Organisationsteam für die Möglichkeit zur Mitwirkung und an alle Beteiligten für die Einblicke und Gespräche.