OER des Monats Mai 2026: Durch die Augen von KI:Blick(en)

Im aktuellen OER des Monats stellen wir die offene Lernumgebung KI:Blick des Kreismedienzentrums Esslingen vor. Sie greift eine Frage auf, die auch im vergangenen TOBIS-Netzwerkworkshop diskutiert wurde: Wie verlässlich und neutral sind KI-Systeme in ihren Ausgaben?

Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Bild-KI gesellschaftliche Vorstellungen und Rollenbilder aufgreift und darstellt. Die Lernumgebung „KI:Blick“ veranschaulicht dies anhand konkreter Beispiele. So wird etwa untersucht, welche Bilder entstehen, wenn eine KI wiederholt eine Mathematiklehrkraft generieren soll. Dabei zeigen sich häufig wiederkehrende Muster und stereotype Darstellungen. Die Lernumgebung bietet damit einen praxisnahen Einstieg, um KI-generierte Inhalte kritisch zu reflektieren und ihre Funktionsweisen besser zu verstehen.

Worum geht es genau und warum lohnt sich die Umgebung?

Die Lernumgebung KI:Blick – Bilder, Bias und Blickwinkel unterstützt Lehrkräfte dabei, generative Bild-KI verständlich und kritisch im Unterricht aufzugreifen. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Stereotypen, Verzerrungen (Bias) und gesellschaftlichen Auswirkungen von KI-generierten Bildern. Die Lernumgebung gliedert sich in vier Bereiche:

  • Verstehen: wie KI Bilder erzeugt werden: vom Text zum Bild, was die KI gelernt hat und wie Muster entstehen
  • Entdecken: KI-generierten Bilder beobachten und vergleichen mit der Bildergalerie – etwa in Bildergalerien zu MINT, Kreativfächern, Sport und Sprachen
  • Einordnen: Bias bewerten und verstehen – Muster erkennen, Wirkungen diskutieren und bewusste Bildgenerierung reflektieren
  • Lernen: Lernpfade zu konkreten Themen entdecken, etwa zu Stereotypen in KI-Lehrkraftbildern, kulturellen Darstellungen oder „Vom Muster zur Verantwortung

Statt einer Live-Generierung arbeitet KI:Blick mit einer kuratierten Sammlung aus 480 vorgenerierten Bildern aus verschiedenen Unterrichtsfächern. Diese wurden mit unterschiedlichen KI-Modellen auf Basis identischer Prompts erstellt und ermöglichen dadurch direkte Vergleiche. Ergänzt wird dies durch Bildserien in verschiedenen Sprachen, die sichtbar machen, welchen Einfluss Sprache und kulturelle Kontexte auf KI-Ausgaben haben können.

Warum ist das für Schulträger interessant?

Gerade für Schulträger eröffnet KI:Blick einen niedrigschwelligen Zugang, aktuelle KI-Themen in Schulen aufzugreifen. Die Frage, wie Schülerinnen und Schüler KI-generierte Inhalte kritisch einordnen und reflektiert nutzen können, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig stellt sich für Schulträger die Herausforderung, Schulen geeignete und verlässliche Materialien zur Verfügung zu stellen. KI:Blick bietet hierfür eine unmittelbar einsetzbare Möglichkeit – etwa als Empfehlung für Schulen oder im Austausch mit eigenen Medienzentren und Unterstützungsstrukturen.

Besonders interessant ist dabei auch der offene und nachhaltige Ansatz der Lernumgebung. Als OER steht das Material dauerhaft frei zugänglich zur Verfügung und kann flexibel weiterverwendet werden. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass die Thematisierung von KI nicht zwangsläufig auf eigene KI-Zugänge, zusätzliche Kosten oder einen hohen Ressourcenverbrauch angewiesen ist. Um Muster, Verzerrungen und Funktionsweisen von KI zu verstehen, müssen nicht kontinuierlich neue Inhalte generiert werden. Die Plattform ist webbasiert, kostenfrei nutzbar und funktioniert ohne Installation oder Registrierung. Gleichzeitig entstehen keine zusätzlichen Datenschutzrisiken, da keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden. Lehrkräfte erhalten sofort einsetzbare Materialien und Lernpfade, die sich fachübergreifend einsetzen lassen – etwa in Informatik, Ethik, Deutsch, Kunst oder Gemeinschaftskunde. Damit unterstützt KI:Blick Schulen dabei, aktuelle KI-Themen unkompliziert und alltagsnah in den Unterricht zu integrieren und einen Blick hinter KI zu werfen.

Spannend ist zudem die Perspektive auf Medienzentren als aktive Mitgestaltende digitaler Bildung. Mit KI:Blick wird sichtbar, wie Medienzentren nicht nur Materialien bereitstellen, sondern selbst innovative OER entwickeln und Bildungsprozesse mitgestalten können. Das Projekt liefert damit ein Beispiel dafür, wie regionale Unterstützungsstrukturen Impulse für digitale Schulentwicklung setzen und nachhaltige Materialien für Schulen bereitstellen können. Besonders spannend ist auch die technische Umsetzung des Projekts: Keine einzige Zeile Code wurde klassisch von Hand geschrieben. Stattdessen entstand KI:Blick aus konzeptionellen Vorgaben, iterativem Prompting, präzisen Arbeitsaufträgen und KI-generierter Implementierung. Damit ist die Plattform nicht nur ein Beispiel dafür, wie Künstliche Intelligenz kritisch analysiert werden kann, sondern zugleich ein eindrucksvoller Praxisbeleg dafür, wie KI heute bereits Entwicklungs- und Produktionsprozesse aktiv unterstützen und mitgestalten kann.

Lizenz & Nutzung

  • Titel: KI:Blick – Bilder, Bias und Blickwinkel
  • Link: https://ki-blick.kmz-es.de/#/
  • Autor:innen: Kreismedienzentrum Esslingen
  • Stand: 13.05.2026
  • Lizenz: CC BY-SA 4.0
  • Bilder: KI-generiert; Weiterverwendung ist ausdrücklich erwünscht (z. B. für Unterrichtsmaterialien, Fortbildungen, OER) – mit Namensnennung