Im aktuellen OER des Monats stellen wir eine Handreichung vor, die Orientierung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Prüfungs- und Studienkontext bietet. Ausgewählt wurde das Material im Anschluss an unseren zweiten TOBIS-Netzwerkworkshop „KI in der Schulentwicklung“ vom 4. März 2026 – insbesondere vor dem Hintergrund der dort intensiv diskutierten Fragen rund um KI-Detektoren, Vorkontrolle und Verantwortung.
Die Publikation „KI-Gebrauch im Studienkontext dokumentieren. Hinweise und Arbeitsmaterialien“ wurde in der Austauschrunde niedersächsischer Hochschulen entwickelt und ist offen lizenziert.
Worum geht es genau?
Das Dokument greift eine zentrale Herausforderung auf: Wie kann die Nutzung KI-basierter Hilfsmittel transparent und regelkonform gestaltet werden, ohne vorschnell auf Verbote oder rein technische Kontrolllösungen zu setzen?
Ausgangspunkt ist die Verpflichtung zur guten wissenschaftlichen Praxis. Reflexion, Eigenständigkeit und Transparenz werden als zentrale Leitprinzipien herausgearbeitet. Das Dokument unterscheidet dabei klar zwischen:
- Transparenz im Arbeitsprozess (Nutzung von KI als Hilfsmittel)
- Transparenz bei der Übernahme KI-generierter Inhalte in ein eigenes Produkt
Besonders praxisnah sind die ausgearbeiteten Dokumentationsformate, die je nach Lernziel eingesetzt werden können:
- Werkzeugorientierte Tabellen
- Arbeitsphasenorientierte Dokumentation mit vierstufiger Nutzungsskala
- Reflexionsorientierte Instrumente wie eine Erkenntnismatrix zur Förderung von KI-Kompetenzen
- Ein Reflexionstagebuch mit abschließender Dokumentationstabelle
Warum ist das relevant für Schulträger?
Im Netzwerkworkshop „Prüfen und Bewerten mit KI: Detektoren, Vorkontrolle und Verantwortung“ (TOBIS, 4. März 2026) stand die Frage im Zentrum, wie belastbar KI-Detektoren tatsächlich sind und welche Konsequenzen Beschaffungsentscheidungen für Schulen haben .
Die dort diskutierten Aspekte – etwa Marketingversprechen ohne transparente Testbedingungen, das Problem falsch-positiver Ergebnisse, leichte Umgehbarkeit durch Umformulierungen oder Übersetzungen sowie die Black-Box-Problematik – zeigen: Detektion ist kein pädagogisch neutrales Instrument, sondern Teil einer Kontrolllogik mit erheblichen technischen, rechtlichen und didaktischen Implikationen .
Schulträger werden derzeit vermehrt mit Anschaffungswünschen für KI-Detektoren konfrontiert – insbesondere im Zusammenhang mit Facharbeiten, Seminararbeiten oder anderen schriftlichen Prüfungsformaten. Häufig wird dabei suggeriert, komplexe Bewertungsfragen ließen sich technisch eindeutig lösen.
Das hier vorgestellte OER bietet eine alternative Perspektive:
- von Kontrolle zu Transparenz,
- von Verdachtslogik zu Verantwortungsübernahme,
- von Technikzentrierung zu didaktischer Gestaltung.
Gerade bei Facharbeiten kann eine verpflichtende Dokumentation der KI-Nutzung eine konstruktive Alternative zu pauschalen Verboten oder automatisierten Vorkontrollen darstellen. Sie macht Lernprozesse sichtbar, fördert metakognitive Kompetenzen und ermöglicht eine nachvollziehbare Bewertung, ohne sich auf probabilistische Detektionsaussagen zu verlassen.
Für Schulträger bedeutet dies:
- Infrastrukturentscheidungen sollten nicht isoliert technisch, sondern pädagogisch gerahmt werden.
- Beschaffung ist immer auch eine Festlegung von Prüfungslogiken.
- Alternativen zur Detektoranschaffung – etwa verbindliche Dokumentationsstandards – verdienen systematische Prüfung.
Das Dokument liefert hierfür konkrete, adaptierbare Instrumente.
Lizenz & Nutzung
- Titel: KI-Gebrauch im Studienkontext dokumentieren. Hinweise und Arbeitsmaterialien
- Autor:innen: Kira Baresel, Cornelia Eube, Dagmar Knorr, Ly Lutter, Jasmin de Nys, Marieke Röben
- Version: 1.0 (Stand: 29.11.2024)
- Lizenz: CC BY 4.0
- DOI: 10.48548/pubdata-1476


