Forschung als Akt der Anerkennung: TOBIS bei der ePIC 2025 in Paris

Wie können Forschung und Zusammenarbeit dazu beitragen, die Arbeit von Schulträgern sichtbar zu machen und anzuerkennen? Diese Frage stand im Zentrum des TOBIS-Beitrags „Research as an Act of Recognition: The Project TOBIS. Innovative Cooperation Between School Authorities on Digital Change and OER/OEP“ auf der ePIC 2025. Die 23. internationale ePIC-Konferenz fand vom 21. bis 23. Oktober 2025 in Paris statt. Unter dem Leitthema „From Open Education to Open Recognition“ brachte sie Perspektiven aus Bildungspraxis, Forschung, Politik, Technologie und Arbeitswelt zusammen. Diskutiert wurden Praktiken, Technologien und politische Rahmenbedingungen, die eine offenere und inklusivere Anerkennung von Lernen, Wissen und Kompetenzen unterstützen können.

Mit ihrem Beitrag brachten Stefanie Brunner und Annekatrin Bock von der Universität Vechta die Perspektive des Verbundprojekts TOBIS in diesen internationalen Diskurs ein. Ausgangspunkt war die veränderte Rolle von Schulträgern: Ihre Aufgaben beschränken sich nicht auf Gebäude, Ausstattung, Lehr- und Lernmittel oder technisches Personal. Durch Entscheidungen über digitale Infrastruktur, Endgeräte, Supportstrukturen und Plattformen prägen sie auch die Bedingungen, unter denen pädagogische Konzepte an Schulen umgesetzt werden können. Damit rücken Schulträger als Schnittstellenakteure in den Blick. Sie stimmen sich unter anderem mit Schulen, IT-Dienstleistenden, Medienzentren, Fortbildungseinrichtungen und Bildungsadministration ab. Wie diese Zusammenarbeit organisiert ist, beeinflusst, welche Handlungsmöglichkeiten die beteiligten Institutionen besitzen und wie technische, pädagogische und organisationale Anforderungen miteinander verbunden werden.

Im Beitrag wurden Ergebnisse einer Bedarfserhebung aus der Anfangsphase des TOBIS-Projekts aufgegriffen. Sie verweisen auf zwei zentrale Spannungsfelder. Erstens unterscheiden sich Schulträger darin, wie und mit welcher Intensität sie mit Schulen und weiteren Bildungsakteur kommunizieren und kooperieren. Zweitens bestehen unterschiedliche Verständnisse darüber, in welchem Umfang Schulträger an Entscheidungen beteiligt sein sollten, die das pädagogische Konzept einzelner Schulen berühren. Diese Fragen zeigen sich besonders deutlich bei Investitionen in digitale Technologien. Schulträger entscheiden über die Finanzierung und Bereitstellung von Infrastruktur und Endgeräten. Dabei stellt sich zugleich die Frage, wie solche Entscheidungen mit den pädagogischen Anforderungen der Schulen abgestimmt werden können. Für Open Educational Resources (OER) und Open Educational Practices (OEP) ist dies besonders relevant: Offene Bildungspraktiken benötigen nicht nur geeignete Materialien, sondern auch technische Zugänge, verlässliche Zuständigkeiten und organisationale Bedingungen, die gemeinsames Entwickeln, Anpassen und Teilen ermöglichen.

Der Titel des Beitrags verweist auf eine doppelte Herausforderung. Zum einen geht es darum, Schulträger dabei zu unterstützen, Rahmenbedingungen für offene Bildungspraktiken weiterzuentwickeln. Zum anderen stellt sich die Frage, wie ihre häufig wenig sichtbare Koordinations- und Entwicklungsarbeit angemessen wahrgenommen werden kann. Forschung kann in diesem Zusammenhang selbst zu einem Akt der Anerkennung werden: wenn sie Schulträger nicht lediglich als Untersuchungsgegenstand betrachtet, sondern ihr Erfahrungs- und Kontextwissen aufnimmt, ihre Arbeit systematisch sichtbar macht und die Verantwortung an der Analyse und Entwicklung gemeinsam verhandelt. Für TOBIS ist daran die Frage anschlussfähig, wie Praxis und Wissenschaft Entwicklungsprozesse ko-konstruktiv bearbeiten können, ohne die unterschiedlichen Rollen und Wissensformen einzuebnen. Der Beitrag auf der ePIC 2025 ordnete die Arbeit von TOBIS damit in einen breiteren Diskurs über offene Bildung und Anerkennung ein. Er macht zugleich deutlich, dass Offenheit nicht allein durch Materialien oder Technologien entsteht. Sie ist auch eine Frage von Zusammenarbeit, Beteiligung und der Sichtbarkeit jener Akteur, die digitale Schulentwicklung an den Schnittstellen von Schule, Verwaltung und Unterstützungssystemen mitgestalten. Das Abstract von Stefanie Brunner und Annekatrin Bock ist im ePIC-Sonderheft der Zeitschrift PLA Inside Out veröffentlicht: Research as an Act of Recognition: The Project TOBIS. Weitere Informationen zur Tagung bietet die Website der ePIC 2025.