TOBIS auf der FUTURE EDUCATION Conference 2026: Wie entstehen Research-Practice Partnerships?

Vom 1. bis 3. September 2026 fand an der Universität Graz die FUTURE EDUCATION Conference 2026: Interdisciplinary Research Perspectives statt. Die interdisziplinäre Konferenz brachte aktuelle wissenschaftliche Arbeiten aus den Bereichen Bildung, Lernen, Entwicklung und Unterricht zusammen und richtete den Blick darauf, wie Bildung angesichts gegenwärtiger und zukünftiger Herausforderungen gestaltet werden kann. Auch das TOBIS-Projekt war mit einem Beitrag vertreten. Am 1. September stellte Prof. Dr. Franco Rau unter dem Titel „The Transformative Power of Research-Practice Partnerships for Future Education“ Überlegungen und erste Erkenntnisse dazu vor, wie sich Forschungs-Praxis-Partnerschaften mit Schulträgern entwickeln und welche Potenziale, aber auch Spannungsfelder sich dabei zeigen. Der Vortrag knüpfte damit an einen zentralen Arbeitsbereich von TOBIS an: die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis im Kontext digitaler Schulentwicklung und Open Education.

Ausgangspunkt des Vortrags war die besondere Rolle von Schulträgern. Sie verantworten unter anderem Gebäude, Ausstattung, Lernmittel sowie vielfach digitale Infrastruktur und Support. Gerade im Zuge der Digitalisierung greifen diese Aufgaben zunehmend in pädagogische und organisationale Entwicklungsprozesse hinein. Entscheidungen über Infrastruktur, Beschaffung oder Unterstützungsstrukturen können pädagogische Möglichkeiten eröffnen oder begrenzen – ohne dass Schulträger damit unmittelbar über Unterricht entscheiden. Die bisherigen Erfahrungen im TOBIS-Projekt zeigen, dass Forschungs-Praxis-Partnerschaften nicht allein durch regelmäßigen Austausch entstehen. Interviews, Netzwerkworkshops und erste gemeinsame Entwicklungsaktivitäten schaffen unterschiedliche Räume der Zusammenarbeit. Entscheidend ist, ob daraus eine wiederkehrende gemeinsame Arbeit an konkreten Problemen entsteht. Dabei treffen unterschiedliche Erwartungen, Zuständigkeiten und Handlungsmöglichkeiten aufeinander. Auch die ursprünglich gesetzten Projektschwerpunkte werden im Austausch mit den beteiligten Schulträgern konkretisiert und weiterentwickelt.

Der Vortrag rückte deshalb weniger bereits erreichte Wirkungen als die Entstehungsbedingungen solcher Partnerschaften in den Mittelpunkt. Gemeinsame Problemverständnisse, Rollen und Verantwortlichkeiten müssen ausgehandelt werden – unter Bedingungen begrenzter Projektlaufzeiten, unterschiedlicher Ressourcen und verteilter Entscheidungskompetenzen. Das transformative Potenzial von Research-Practice Partnerships liegt aus dieser Perspektive zunächst darin, Problemwahrnehmungen, Beziehungen und Möglichkeiten gemeinsamen Handelns zu verändern. Ob daraus langfristig tragfähige Strukturen entstehen, bleibt eine empirisch zu untersuchende Frage. Die FUTURE EDUCATION Conference bot hierfür einen passenden interdisziplinären Diskussionsraum. Mit Forschungsbeiträgen aus unterschiedlichen Perspektiven zielte sie darauf, aktuelle wissenschaftliche Arbeiten zu Bildung und Lernen zusammenzuführen und neue Ansätze für die Gestaltung zukünftiger Bildung zu diskutieren. Für TOBIS bot der Vortrag damit die Gelegenheit, die bisherigen Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Schulträgern in eine breitere wissenschaftliche Diskussion über Research-Practice Partnerships einzubringen – und zugleich die Bedingungen ihrer Entstehung kritisch zu reflektieren.