Netzwerkworkshop #3
Datenschutz und digitale Schulentwicklung
Im Zentrum des Online-Workshops des TOBIS-Netzwerks am 8. Juni 2026 steht die zugespitzte Frage, inwiefern Datenschutz als Motor und/oder Hemmnis digitaler Schulentwicklung wirksam wird.
Die Veranstaltung richtet sich an Schulen, Schulträger sowie weitere Akteur:innen der schulischen Bildungsverwaltung und Schulentwicklung.

Ziele und Leitfragen
Der Online-Netzwerkworkshop knüpft an den Auftaktworkshop an und greift – auf Wunsch der beteiligten Schulträger – das Thema Datenschutz als Bestandteil schulischer Digitalisierung auf. Der Workshoptag beleuchtet Datenschutz als gestaltbare Dimension digitaler Schulentwicklung. Dabei betrifft Datenschutz unterschiedliche Ebenen: Fragen zur Gestaltung von Unterricht und den Einsatz digitaler Werkzeuge, die Entwicklung verbindlicher Schutz- und Dokumentationskonzepte auf Organisationsebene, infrastrukturelle und plattformbezogene Entscheidungen sowie Fragen der Qualifizierung und Professionalisierung des Personals.
Diese Fragestellungen werden in den einzelnen Workshop-Slots aus wissenschaftlich informierter Perspektive aufgegriffen und als gezielte inhaltliche Impulse bearbeitet. Der Workshop lädt dazu ein, die vorgestellten Ansätze gemeinsam zu diskutieren und für die jeweiligen Schulträgerkontexte und Standorte weiterzudenken.
Ablaufplan: Impulse, Vertiefung, flexible Teilnahme
Der Online-Workshop ist als modulares Tagesformat konzipiert. Die einzelnen Programmpunkte nehmen thematisch aufeinander Bezug, können jedoch auch unabhängig voneinander besucht werden. So ist eine durchgehende Teilnahme ebenso möglich wie die gezielte Auswahl einzelner Slots.
09:00 – 10:00 - Begrüßung und Impulsvortrag
„Datenschutz“ - von der Pflicht zur Gestaltungsaufgabe digitaler SchulentwicklungWas erwartet Sie?
Datenschutz wird im digitalen Schulalltag oft als Restriktion wahrgenommen. In diesem Impuls zeigen wir, warum er stattdessen eine gestaltende und vertrauensbildende Dimension der digitalen Schulentwicklung sein kann. Sie erfahren, wie datenschutzkonformes Handeln auf vier zentralen Ebenen wirkt: Auf der Ebene von 1) Unterricht und Unterrichtsmedien wird diskutiert, welche Rahmenbedingungen pädagogische Freiheit ermöglichen. Auf Ebene der 2) Organisation schauen wir darauf, wie verbindliche, aber praxistaugliche Konzepte gestalten werden können. Die Ebene 3) der Infrastrukturen und Plattformen adressiert, wie sich Datenhoheit, Skalierbarkeit und langfristige Steuerung sichern lassen. Die Ebene 4) der Qualifizierung von Personal wird betrachtet, wie Kompetenz nachhaltig und ressourcenschonend verankert werden kann.
Der Impuls liefert keine juristische Checkliste, sondern einen strategischen Kompass, indem er aufzeigt, wo Schulträger gezielt Hebel setzen können, um Digitalisierung verantwortungsvoll und zukunftsfähig zu gestalten. Der Impuls eröffnet die anschließenden Netzwerk- und Arbeitsphasen des Tages, in denen sich die Teilnehmenden praxisnah austauschen können, um perspektivisch gemeinsam handlungsorientierte Lösungsansätze zu entwickeln.Wer spricht?
Annekatrin Bock ist Professorin für Medienforschung mit dem Schwerpunkt Digitalisierung der Bildung an der Universität Vechta und wissenschaftliche Leitung des Medienkompetenzzentrums Vechta. Ihre aktuellen Forschungsprojekte befassen sich mit digitaler Transformation in Lernbüroschulen, Datafizierung von Bildungsinstitutionen und der Gestaltungsmacht sozio-technischer Systeme („KI“) im Bildungskontext.
10:00 – 10:30 - (Digitale) Pause
Optional: Zeit und Raum für Nachfragen und Austausch10:30 – 12:00 - Workshop
Freiheit und Bildung aus technischer Sicht - Nostr und Edufeed als Beispiel dezentraler, plattformübergreifender, anbieterunabhängiger, offener ArchitekturWas erwartet Sie?
Offene Bildungsmaterialien und -praktiken (OER, OEP) sollen und könnten im Bildungswesen eine größere Rolle spielen (Förderungen durch den Bund, z. B. TOBIS, FOERBICO, oer-strategie.de…)
Ein Problem: Die OER Infrastruktur ist fragmentiert und meist abhängig von zentralen Anbietern (Föderalismus, Lock-In).
Der plattformübergreifende Austausch von Bildungsmaterialien erfordert hohen technischen Aufwand, wodurch vor allem kleine Bildungsakteure auf Hürden stoßen. Kollaboration und Open Educational Practices (OEP) bleiben aufgrund fehlender technischer Grundvoraussetzungen oft theoretisch.
Diese Probleme könnten mit einem Ansatz angegangen werden, der ursprünglich aus einem anderen Bedarf durch eine internationale Entwicklergemeinde entstanden ist. Das dezentrale Social-Media-Protokoll Nostr bietet ein Konzept, dessen Kernelemente Unabhängigkeit und Vernetzung sind. Für den Bildungsbereich gibt es inzwischen erste Prototypen, die auf Nostr aufsetzen – insbesondere EduFeed (edufeed.org). EduFeed ermöglicht neben dem Erstellen von Communities und dem Teilen von Terminen auch das Hochladen, Teilen und Finden von Bildungsmaterialien.
Im Workshop lernen die Teilnehmenden die Grundlagen des Social Media Protokolls Nostr kennen und probieren EduFeed direkt aus: Communities gründen, Termine und Materialien teilen.
Abschließend möchten wir Potenziale, Grenzen und notwendige Voraussetzungen für die Umsetzung von OEP (auch im Rahmen dieses Ansatzes) in der Praxis diskutieren.
Wer gestaltet den Workshop?
Ludger Sicking vom Comenius-Institut Evangelische Arbeitsstätte für Erziehungswissenschaft e.V. arbeitet im FOERBICO-Projekt an der Förderung offener Bildungspraktiken in religionsbezogenen Communities durch die Entwicklung eines koordinierten OER-Ökosystems.
Steffen Rörtgen arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Bereich offener Bildungsinfrastrukturen. Aktuell entwickelt er eine technische Infrastruktur für dezentrale, Nostr‑basierte Bildungsnetzwerke.
12:00 – 13:00 - Mittagspause
Zeit zum Essen und Durchatmen13:00 – 14:30 - Workshop
Privacy Awareness Cards: Datenschutzrisiken erkennen, verstehen und vorbeugenWas erwartet Sie?
Datenschutzvorfälle begegnen uns im Alltag häufiger als man denkt. Neben dem verteufelten Hackerangriff können diese jedoch von völlig unterschiedlicher Natur sein, sei es das Mitlesen von E-Mails durch IT-Personal, das Überwachen von Mitarbeitenden durch den Chef, oder das Ausspionieren des Smartphones vom Partner.
Mit Hilfe der Privacy Awareness Cards möchten wir Sie in diesem partizipativen Workshop dazu einladen, Datenschutzvorfälle praktisch und nahbar aufzuarbeiten und zu verstehen. Zusätzlich ist es unser Ziel Ihnen Maßnahmen näherzubringen, mit denen Sie in Zukunft Vorkommnisse abmildern oder verhindern können.
Dabei wird zunächst ein Vorfall beispielhaft dargestellt und Ihnen das Konzept der Privacy Awareness Cards näher gebracht. Anschließend haben Sie in Gruppen die Möglichkeit, eigene Szenarien aus Ihrem Umfeld genauer zu untersuchen und sich darüber auszutauschen.
Ziel des Workshops ist es, Datenschutz-Awareness zu fördern, Ihre Selbstwirksamkeit zu erhöhen und einen Einblick in die Möglichkeiten der Privacy Awareness Cards zu bekommen. Vielleicht entdecken Sie ja auch einen passenden Einsatz in Ihrem Umfeld.
Wer gestaltet den Workshop?
Tom Lorenz und Ramona Adair sind Promotionsstudierende der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften im Bereich Informatik.
Ramona Adair befasst sich mit Themen des Datenschutzes. Aktuelle Arbeitsbereiche beinhalten die Entwicklung von Design Patterns und Best-Practices für die informierte Einwilligung bei Gesundheits-Apps, sowie die Entwicklung von Serious Games zum Thema Privatheit im Kontext von KI in der Schule.
Auch Tom Lorenz befasst sich mit Themen des Datenschutzes, insbesondere mit dem Fokus auf digitalen assistiven Technologien, insbesondere für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. In der
gemeinsamen Arbeitsgruppe war er maßgeblich an der iterativen Entwicklung der Privacy Awareness Cards beteiligt.In gemeinsamer Erfahrung können die beiden auf eine Reihe diverser Workshops mit den Privacy Awareness Cards zurückschauen. Hierbei betreuten sie unterschiedlichstes Publikum. Workshops wurden zum Beispiel mit Schüler:innen, Studierenden und wissenschaftlichem Fachpublikum durchgeführt.
14:30 – 15:00 (Digitale) Pause
Optional: Zeit und Raum für Nachfragen und Austausch15:00 – 16:30 - Workshop
Darf ich das verwenden? Orientierung für Unterrichtsmaterial im KI-ZeitalterWas erwartet Sie?
Unterrichtsmaterial ist schnell gefunden: doch was darf ich eigentlich nutzen, verändern oder weitergeben? Und welche rechtlichen Spielräume haben Lehrkräfte, Schulen und Träger? Gerade im Alltag entstehen hier Unsicherheiten, etwa bei Materialien aus dem Kollegium oder aus dem Internet, deren Herkunft oder Lizenz unklar ist.
Der Workshop greift diese Fragen problemorientiert auf und ordnet sie im Spannungsfeld von Urheberrecht, Creative-Commons-Lizenzen und Datenschutz ein. Wir klären, welche Nutzungsmöglichkeiten offene Lizenzen bieten, wo Grenzen liegen und welche Verantwortung damit verbunden ist. Zudem wird diskutiert, inwiefern KI-Systeme bei der Einschätzung von Materialien unterstützen können und welche neuen rechtlichen Fragen dabei entstehen, etwa beim Umgang mit sensiblen oder urheberrechtlich geschützten Inhalten.
Der Workshop bietet Raum für Austausch über Praxisfälle und zielt darauf, Orientierung für einen reflektierten und rechtssicheren Umgang mit (vermutlich offenen) Materialien zu geben.Wer gestaltet den Workshop?
Franco Rau ist Professor für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Digitalisierung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er beschäftigt sich mit Schul- und Unterrichtsentwicklung im Kontext digitaler Transformationen sowie mit der kritischen Einordnung bildungspolitischer und gesellschaftlicher Diskurse zu KI in der Schule.
Teilnahme, Anmeldung und Kontakt
Die Teilnahme am Online-Netzwerkworkshop ist für alle im Projekt TOBIS beteiligten Schulträger, eingeladene Akteur:innen sowie weitere interessierte Personen kostenfrei.
Eine verbindliche Anmeldung per E-Mail an stefanie.brunner@fau.de ist erforderlich. Bitte senden Sie Ihre Anmeldung an die angegebene Kontaktadresse und geben Sie dabei folgende Informationen an: (1.) Name, (2.) Institution und (3.) Angabe, ob Sie Mitglied im Projekt TOBIS sind bzw. wie Sie von der Veranstaltung erfahren haben.
Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten die Teilnehmenden rechtzeitig vor der Veranstaltung weitere organisatorische Informationen, einschließlich der Zugangsdaten zur Online-Veranstaltung.
Bei Fragen zur Veranstaltung oder zur Anmeldung wenden Sie sich gern an Stefanie Brunner (stefanie.brunner@fau.de). Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und den gemeinsamen Austausch!
Onlineformat und Zugang
Der Netzwerkworkshop findet vollständig online statt. Die einzelnen Programmpunkte sind als thematisch abgeschlossene Slots konzipiert und können unabhängig voneinander besucht werden. Eine Teilnahme am gesamten Workshop ist ebenso möglich wie die gezielte Teilnahme an einzelnen Sessions.
Der Zugangslink zur Online-Veranstaltung wird den angemeldeten Teilnehmenden vorab per E-Mail zur Verfügung gestellt. Die inhaltlichen Impulse werden dokumentiert und im Anschluss – soweit möglich – als offene Materialien bereitgestellt.